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Entschwundenes Kind

Freitag morgen. Es ist friedlich und still. Viel ZU still. Das ist nicht normal. Ein Kind sollte schreien. Es ist nicht da. Der Vater erschrickt. Nur gähnende Leere in der Wiege, eine Kuhle dort wo das kleine Geschöpf liegen sollte. Auf dem Fußboden ist es auch nicht. Nirgendwo im Haus ist ein Kind.

 

Das Haus steht in einem Wald. "Das Kind wird in den Forst gegangen sein." denkt der Vater. Er muss es suchen gehen. Proviant ist nicht nötig, die Suche wird nicht lange dauern, glaubt der Vater. Er geht los in Richtung Westen, hinein in das Herz des Waldes. "Das Kind wird in den Forst gegangen sein." denkt er.

 

Die Bäume sehen anders aus als sonst. Geringelte Äste, alles hat zuviele Wirbel und Spiralen. In der Luft liegt kein Laut, nur der Wind pfeift manchmal in der Ferne. Es klingt zu stoßend. "Hier wird das Kind sicher nicht lang gegangen sein." denkt der Vater. "Es wird in den Forst gegangen sein. Aber hier nicht." Seine Schritte formen einen Halbkreis, er dreht um und geht nach Osten.

 

Ein fernes Gewitter spielt zwischen den Bäumen. Blitze ohne Donner, weisses Licht. Angst ist nicht nötig. Dunkelblaue Wolken, die Luft ist schwer. Vielleicht wird es bald regnen. "Hier könnte das Kind sein" denkt der Vater. Mit einer Axt schlägt er eine Buche, dann entfacht er ein Feuer und kocht sich einen Tee. Dann geht er weiter.

 

"Das Kind mag keinen Tee, lieber Kaffee" denkt der Vater. Er ist nun an einer Schlucht angekommen. Das Baby hängt mit seinem Strampler an einem Ast auf der anderen Seite der Schlucht fest, bereits einige Meter unter dem Rand. Das Gesicht des Vaters verliert seine rosige Farbe. "Ohnein, das Kind hängt an einem Ast in der Schlucht" denkt der Vater.

 

Er atmet tief ein und zieht eine Steinschleuder aus seiner Tasche. Dann legt er eine Waldfrucht in die Munitionsfassung und ballert auf das Baby. Es fängt die Frucht mit einem kleinen Baseballhandschuh. "Jetzt hat es erstmal was zu essen." denkt der Vater. Er zündet ein neues Feuer an und schmiedet einen Plan. Die Dämmerung zieht herauf und der Vater weiss, dass er das Kind vor Einbruch der Dämmerung retten muss, denn um diese Zeit kommen immer Vampire aus der Schlucht gekrochen.

 

Der Vater weiss nicht mehr, was er denken soll. Voller Verzweiflung schliesst er die Augen und kneift sie fest zusammen. Als er sie wieder öffnet, steht ein Kind vor ihm. Es ist seines. "Wie hat das Kind das nur geschafft?" denkt der Vater. Er nimmt den Kleinen an der Hand und läuft mit ihm zurück zum Haus. Das Baby wird wieder in die Wiege gelegt, dann geht er auch ins Bett.

 

"Morgen mache ich stärkere Schlösser an die Tür, damit das Kind im Hause bleibt" denkt der Vater.

 

"Geiles Adventure heute" denkt das Kind.

26.6.08 22:46
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mouton noir / Website (2.7.08 07:48)
hat der vater für sein tässchen tee die ganze buche, die er geschlagen hat, verbrannt?
auf jeden fall hat er durch fällen des baumes mindestens einen biber arbeitslos gemacht und so die lage auf dem animalischen stellenmarkt drastisch verschlechtert.


krocks (13.7.08 13:20)
mir gefällt sehr gut, wie man einblick in die gedankewelt des vaters bekommt - das gibt der geschichte eine tiefe die kaum beschreibbar ist.
vielleicht so tief wie die schucht? ))

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