Pferd im Anzug - @myblog.de


Gratis bloggen bei
myblog.de

Think different - be a horse







Schauriges Missverständnis

Wenn man mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug springt, dann landet man entweder in einem Himmelbett oder in einer fauligen Lache Rotzschlamm. Manchmal jedoch landet man auch einfach an einem Ort, den man so nicht erwartet hätte.

 

Meine erste Empfindung war: Schmerz im Bein. Kein "Ohmein-Gott-es-ist-gebrochen" Schmerz, sondern eher wie ein chronisches Attentat eines verkommenden Kindes, welches sich in den Schatten versteckt und immer genau dann mit einer Nadel in die Wade sticht, wenn man gerade nicht aufpasst. Insgesamt ziemlich unangenehm, aber ich konnte es aushalten.

 

Neben mir stand ein Mann. Er war groß, doch nicht so groß wie ich. Um seine Lenden war ein staubiges Fell gebunden und die Brust wurde von einem wuchtigen Harnisch bedeckt. Seine nackten Füße hatten das Wort "Pediküre" wahrscheinlich noch nicht einmal im Traum gehört und er roch nach Holz. Gerade wollte ich mir eine angemessene Reaktionen überlegen, da spazierte ein angedeutetes Lächeln über sein Gesicht und er sagte: "Komm' mal mit."

 

Forschen Schrittes folgte ich dem Pfad, den seine hornigen Füße durch die Brennesseln bahnten. Wir bewegten uns durch einen Wald und auf allen Ästen saßen verwirrt und farblos aussehende Fischreiher. Meine Frage nach der Herkunft derselbigen wurde von meinem Reiseführer ignoriert, aber kurze Zeit später machten wir an einem kleinen Sumpfloch halt und nahmen ein gemeinsamen Schlammbad.

 

Gegen Abend erreichten wir dann endlich das Ziel unserer schweigsamen Reise. Es war ein kleines Dorf im Nirgendwo, welches direkt aus dem Mittelalter zu stammen schien. Keine Teerstraßen, keine Elektrizität, keine Autos. "Willkommen in New Orleans!" säuselte da der eben noch so stille Mann. "Mein Name ist Zange, fühlen Sie sich wie zuhause!"

Ich ignorierte diese Person zunächst und kettete einigen Schritte aneinander um mir die Beine zu vertreten und meine Gedanken zu ordnen. So gelangte ich ins Dorfzentrum. Die Dorfschmiedin drosch mit bloßer Faust auf ein glühendes Stück Metall ein und die Funken sausten lustig umher. Zwei schmächtige Knaben rollten auf einem Heuballen durch die City.

 

Bald schon hatte ich genug Sinneseindrücke gesammelt und lenkte meine Schritte zurück zur verabredeten Stelle. Es entpuppte sich folgendes Gespräch mit Zange:

PiA; "So, ich bin wieder da."

Zange: "Komm' mal mit."

PiA: "Nee, Moment mal jetzt. Immer langsam mit den jungen Pferden, hehehehe. Was ist hier überhaupt los?"

Zange: "Häh?"

PiA: "Warum hast du zum Beispiel einen Harnisch an?"

Zange: "Hm."

PiA: "Ist das hier wirklich New Orleans?"

Zange: "Manchmal wünschte ich, es wäre so."

PiA: "Ok, aber diese ganze Stadt kommt mir irgendwie nicht geheuer vor."

Zange: "Ja, mir auch nicht. Lass' uns abhauen!"

PiA: "Häh, ich dachte du wohnst hier?"

Zange (erschrocken): "Du kannst nicht bei mir wohnen!"

PiA: "Jetzt verstehe ich, du denkst ich bin dein Findelkind und du musst mich jetzt großziehen, mit einer Flasche Milch und so."

Zange: "Ja."

PiA: "Dem ist nicht so, ich habe mein Leben ganz gut alleine im Griff."

Zange: "Uffz."

PiA: "Heisst du eigentlich wirklich 'Zange' oder nennst du dich nur so, weil du dir noch irgendwie unfertig vorkommst?"

Zange: "Ja, unfertig."

PiA: "Wie ist dein richtiger Name?"

Zange: "Zangief, der Rechtschaffene."

PiA: "Also danke für alles, ich muss jetzt wirklich gehen. Weisst du in welcher Richtung die nächste zivilisierte Stadt ist?"

Zange: "Drei Tagesmärsche gen Osten, durch den Wald der sieben Geister. In der Mitte ist eine Lichtung, dort lebt ein Djinn. Er wird dir Fragen stellen, die du alle mit 'Jenseits von Afrika' beantworten musst. Dann darfst du passieren. Fülle dein Wasser an den Quellen der lispelnden Zungen auf, aber halte dich von den Algen fern, sie ätzen deinen Mund. Am Abend des dritten Tages erreichst du den Spalt der kalten Seelen, doch es gibt eine Brücke. Gib acht, denn die Planken sind morsch und der Graben düster. Aber du kannst es schaffen."

 

PiA: "Hahahaha, köstlich lieber Zangief, köstlich! Der kleine Narr in deinem Kopf wird mir fehlen. Also dann, hau rein, ne?!"

 

Der anfangs etwas seltsame Mann hatte sich am Ende also doch als gutmutiger Mensch herausgestellt, sogar mit einem vorzüglichen Sinn für Humor. Leider konnte ich mir seine kleine Ansprache nicht merken, sonst hätte ich sie sehr gerne einem Kollegen zur Belustigung erzählt, das wäre bestimmt der Renner geworden. "Wald der trüben Gespenster" oder so, da muss man erstmal drauf kommen!

 

Immer noch lachend lief ich leichten Schrittes nach Osten. Gegen Mittag erreichte ich einen Wald. Er war etwas unheimlich, manchmal hörte man Stimmen im Laub. Plötzlich öffnete sich das Gestrüpp und ich stand auf einer Lichtung. Über einer goldenen Ölkanne schwebte ein blauer, fetter Flaschengeist. "Wie heisst der bekannte Film mit Klaus Maria Brandauer?" fragte er unwirsch...

2.6.08 23:20
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


sarah (3.6.08 09:01)
ups. ja, man sollte wirr redenden menschen eben doch auch glauben schenken. ^^

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen