Pferd im Anzug - @myblog.de


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Think different - be a horse







Da hätte ich Meer erwartet

Manchmal denkt man an seine Jugend zurück und erinnert sich an Ereignisse, die man im Nachhinein einfach nur als verrückt bezeichnen kann, damals jedoch hat man sie als "normal" wahrgenommen. Ein kleines Beispiel:

 

Vor beinahe 20 Jahren hatte ich als Leichtmatrose auf einem mittelgroßen Handelsschiff angeheuert. Die Bezahlung war schlecht, man musste für Wochen auf jeglichen Komfort verzichten und begab sich obendrein noch in tatsächliche Lebensgefahr. Doch ich war jung und wollte die Welt sehen. Wenn Frau Satana mich schon in so jungen Jahren an ihren feurigen Busen drücken wollte, bitteschön, dann sollte sie mich halt holen.

 

Wenigstens bekam ich dafür ein Leben voller Abenteuer - zumindest auf dem Papier. In der Realität war so eine wochenlange Seefahrt vor allem eines: nämlich langweilig - und verdammt ungemütlich. Jeden Tag nur Pökelfleisch oder Fisch zu essen, die eigene Kleidung war irgendwie immer nass und im Mund nistete sich ein penetranter Salzgeschmack ein, der auch durch Dauerrauchen nicht zu besiegen war.

 

Alle zehn Tage etwa bekam man Skorbut, dann fielen einem innerhalb von wenigen Minuten alle Zähne und Fingernägel aus. Die durfte man dann auf dem glitschigen Deckboden zusammensuchen um sie sich dann wieder ins matschige Fleisch reinzustecken. Crewintern gab es viele Witze von auf diese Weise vertauschten Zähnen, die aber wahrscheinlich der Wahrheit ziemlich nahe kamen.

 

So lief jede längere Seereise ab, ob man nun nach Indien, Brasilien oder an die Elfenbeinküste fuhr machte dabei im Grunde keinen Unterschied. Das Meer war überall blau, der Wind eisig und das Wasser salzig. Nichts als Routine, im Grunde alles austauschbar. Nur eine Fahrt, eine einzige Seereise, die ganz anders war als alles was ich bisher erlebt hatte...

 

Unser Schiff war in einen fürchterlichen Sturm geraten; obwohl es früh am Morgen sein musste, so war der Himmel doch beinahe schwarz. Die Wellen peitschten gegen das ächtzende Holz, das wie durch ein Wunder nicht schon nach den ersten Hammerschlägen in kleine Splitter geborsten war. Mehrere Male war das Schiff bereits komplett von Wasser bedeckt gewesen, so dass nur der Mast drei handlang aus der Flut ragte. Wir konnte nichts tun ausser zu beten. Und so schlossen wir uns gemeinsam in die Bordkirche ein und versuchten Petrus zu beschwichtigen.

 

Am späten Nachmittag ließ der Sturm dann endlich nach und bald konnte man die Kabine wieder verlassen. Ich war der erste, der die Reeling betrat und da sah ich sie: Das gewaltige Meer hatte nicht nur unsere Leben verschont, sondern uns sogar noch ein Geschenk überbracht. Auf den blanken Holzdielen lag ein junges, wunderschönes Mädchen mit einem Fischschwanz.

 

Ich war der erste, der seine Sprache wiederfand.

PiA: "Potzblitz, bei den geringelten Makrelen des Fischgottes Sansibar, spinn ich jetzt oder liegt da eine Meerjungfrau?"

Matrose: "Nee, ich seh sie auch. Das gibts doch nicht."

PiA: "Also das ist ja jetzt erstmal Quatsch hier. Es gibt keine Meerjungfrauen. Das ist bestimmt ein Kostüm oder so, wartet mal."

Mit ungeschickten Bewegungen machte ich mich am Schwanz der Dame zu schaffen. Doch so sehr ich auch zog und zehrte, dieser rührte sich um keinen Millimeter. Allerdings geschah etwas Unerwartetes: Die Berührung der fischigen Haut löste eine Art Kribbeln in meinem Bauch aus. Verwirrt und unsicher fuhr ich die Männer an:

"So, ihr habt jetzt genug gegafft, los geht unter Deck und repariert die Sturmschäden."

Grummelnd trollten sich die anderen Matrosen und ich war alleine mit dem Meerwesen. Gerade als ich überlegte was ich denn nun tun sollte, blinzelte dieses mich verstört an und begann zu sprechen.

Meerjungfrau: "W-wo bin ich hier?"

PiA: "Hehe, du bist an Bord der Zeta Epsilon 12, einem intergalaktischem Raumkreuzer der Millenium-Klasse."

Meerjungfrau: "Echt?"

Lachend kloppte ich mit der Faust leicht gegen ihre Stirn.

PiA: "Hallo, ist da jemand zu Hause? Oberstübchen zu vermieten oder was? Hehehe, nein natürlich nicht, du bist auf einem Handelsschiff im Pazifik."

Meerjungfrau: "Oh... achso. Aber was... ich meine wie bin ich hierher gekommen?"

PiA: "Es gab einen schlimmen Sturm, der hat dich wohl aus deiner Unterwasserstadt gespült und auf dieses Deck geschwemmt."

Meerjungfrau: "Unterwasserstadt? Nein, ich komme aus Marseille."

PiA: "In Marseille wohnen Meerjungfrauen? Wow, hätte ich nicht gedacht."

Meerjungfrau: "Meerjungfrau?" *lach* "Neinnein, das ist nur ein Kostüm, schau hier ist der Reissverschluss."

 

Es gab ein lautes "Ratsch" Geräusch und der Fischschwanz lag auf dem Boden, direkt neben ihren langen, makellosen Beinen.

 

PiA: "Iieh, du hast dich gehäutet."

Meerjungfrau (?): "Hihi. Du bist schon ein komischer Vogel, weisst du das? Wie heisst du überhaupt?"

PiA: "Pferd im Anzug."

Meerjungfrau(?): "Ich bin Marie-Curie, freut mich."

PiA: "Du hast unglaublich schöne Beine."

Marie-Curie: "Was?"

PiA: "Also, willst du etwas essen? Du musst halb verhungert sein."

Marie-Curie: "Ja, gerne."

 

Mehrere Wochen vergingen. Marie-Curie war als Gast auf unserem Schiff und ein weniger aufmerksamer Beobachter als ich hätte vielleicht den Eindruck bekommen, dass es ihr gut gefiel. Sie lachte viel und durch ihr nettes Wesen hatte sie bald Freundschaft mit der gesamten Besatzung geschlossen. Und doch gab es Momente, in denen sie wie versteinert aufs Meer hinausstarrte. Auffällig war auch, dass sie ihren Hals regelmäßig mit Wasser einrieb.

 

Eines Abends war die Luft besonders lau und wir hatten uns alle auf Deck versammelt und ein kleines Lagerfeuer entzündet. Einer der Matrosen spielte auf einem Akkordion eine herzzerreissende Melodie.

PiA: "Hach, diese Melodie ist für mich wie ein Seil. Sie zieht mein Herz in die Ferne, doch mein Körper ist an diesen Mast hier gefesselt."

Marie-Curie: "Das ist wirklich sehr traurig."

PiA: "Möchtest du tanzen?"

Marie-Curie: "Ich würde gerne, doch ich kann nicht..."

PiA: "Ich führe dich."

Marie-Curie: "Nein, ich kann wirklich nicht, tut mir leid."

PiA: "Ach komm schon, wenn du dich nicht bewegst dann wirst du fett und dann will dich kein Mann mehr."

Ich zog sie hoch und wollte mit ihr aufs Tanzparkett gehen. Doch ihre Beine knickten immer wieder unter ihr weg, als wären sie aus Gummi. Mit Tränen in den Augen sah sie mich an.

Marie-Curie: "Ich hab doch gesagt ich kann nicht... verstehst du jetzt?"

PiA: "Du bist kein Menschenmädchen, du bist... doch eine Meerjungfrau, stimmts? Die Art wie du aufs Meer starrst und wenn du deinen Hals benetzt, dann versorgst du deine Kiemen mit Wasser."

Marie-Curie: "Ja. Meine Beine, die du so schön findest, sind leider auch nur ein Kostüm, darunter ist tatsächlich ein Fischschwanz. Ich... es tut mir leid, ich gehe nun. Leb wohl."

Mit gesenktem Kopf wandte sie sich ab, trotzdem blieben mir die Tränen auf ihren Wangen nicht verborgen.

PiA: "Halt, warte! Egal wohin du auch gehst - nimm mich mit."

Marie-Curie: "Ich gehe zurück in meine Unterwasserstadt, wenn du mitkommen willst, dann musst du ein Meerjungmann werden. Das geht nur, wenn ich dich in den Hals beisse und dir dein Blut aussauge."

PiA: "Okay."

Marie-Curie: "Dann soll es so sein. Du wirst deine Entscheidung nicht bereuen Liebster, das verspreche ich. Ausserdem musst du nur eine bestimmte Alge essen, dann wird alles wieder rückgängig gemacht."

PiA: "Auf Nimmerwiedersehen, langweiliges Matrosenleben. Ich lebe von nun an im Ozean, dort werde ich mit Poseidon selbst um die Wette kacken."

 

Dann biss mich Marie-Curie in den Hals und begann mir das Blut auszusaugen. Ich erlaubte mir einen kleinen Spaß, indem ich ihr ebenfalls in den Hals biss und mein eigenes Blut wieder in meinen Körper sog als es ihre Speiseröhre passierte. Sie wurde dann aber zickig und befahl mir aufzuhören. Diese Zickigkeit war auch der Grund, dass unsere Beziehung nach zwei Jahren zugrunde ging. Ich aß von der Alge, die mir mein normales Leben zurückgab und schon sehr bald hatte ich dieses Erlebnis fast vergessen.

 

Eine Sache habe ich jedoch daraus gelernt: Man sollte sich nie von exotischen Frauen blenden lassen, denn garantiert haben sie sehr gewöhnliche Schwächen.

 

16.2.08 01:38
 


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