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Think different - be a horse







Nachts tragen die Engel rote Kleider

Irgendwann letzte Woche, ich glaube es war gestern, da begab ich mich nach einer Feier unter Kollegen noch in eine Bar. Die blinkenden Ziffern meiner Digitaluhr behauptet zwar, dass es bereits 02:39 Uhr sei, doch ich fühlte mich putzmunter wie an dem Tag meiner Geburt. Fühlt man sich am Tage seiner Geburt eigentlich putzmunter? Ich denke schon, man hat ja immerhin neun Monate lang ein Parasitendasein geführt und überhaupt keine körperlichen Aktivitäten verübt. Man hat noch nichtmal einen einzigen Gedanken gedacht, den ersten Gedanken denkt man ja erst genau dann, wenn man das Licht der Welt erblickt. Also da denkt man dann erstmal so: "Gerade werde ich geboren, jetzt gehts los."

 

Nunja, aber ich schweife ab. Die Bar war jedenfalls nicht mehr so gut besucht und der Keeper derselbigen warf mir einen düsteren Blick zu, der zu sagen schien: "Ich wollte eigentlich gleich zumachen." Davon jedoch unbeeindruckt nahm ich auf einem Hocker Platz und bestellte einen "Speedy Mephisto". Für alle Leute die das nicht kennen: Das ist im Grunde einfach Wodka + Kirschsaft, allerdings mit einer kleinen Fliege im Glas, welche eine Miniaturbrausetablette an ihrem Hinterteil festgeklebt hat. Dadurch saust sie wie ein lustiger Mikro-Torpedo lustig durchs Glas. Ein Anblick, der auch nach Stunden noch erheitert.

 

Mein Gedanken spalteten sich in zwei Ströme auf, die parallel bearbeitet wurden. Das ist überhaupt kein Problem für mein Gehirn. Strom Nummer 1 dachte an den mürrischen Blick des Wirtes und beschloss kein Trinkgeld zu geben und nachher noch ins Waschbecken zu pinkeln. Strom Nummer 2 konnte nicht fassen, dass zwei Hocker weiter ein Mann saß, der sich tatsächlich eine Neujahrsbrezel als Ganzes komplett in den Mund schob. Noch absurder wurde der Anblick allerdings, als er den Mund wieder geschlossen hatte. Man findet das ja schon bei Hamstern befremdlich, aber wenn ein Mensch einen 30 cm große Brezel im Mund hat, dann wölben sich die Backen derart nach außen, dass man mühelos 2-3 Tassen Tee auf jeder Seite abstellen könnte.

 

"Haben Sie mal Feuer?" Eine dunkle, vor Erotik knisternde Damenstimme schnitt mit einer geistigen Schere gleich beide meiner Gedankenströme durch und veranlasste meine Aufmerksamkeit, sich auf einen Punkt hinter mir zu konzentrieren. Dort stand sie: Ein Engel der Sünde. Schwarzes, glattes Haar, welches ihr bis auf die entblößten Schultern fiel. Die Augen braun und so tief, dass man sich mühelos für Stunden darin verlieren könnte. Der feurige Mund war so provozierend knallrot angemalt, dass man ihn auch dann noch gesehen hätte, wenn die Frau Zuschauerin eines ausverkauften Spiels in dem Münchner Olympiastadion gewesen wäre und man selbst in einem Zeppelin 6.000 Meter darüber schweben würde.

 

Ihr Kleid, welches exakt den gleichen Farbton hatte und genau an so vielen Stellen eingeschnitten war, dass es einfach nur toll aussah und nicht geschmacklos wirkte, gab der Erscheinung den letzten Hauch von Perfektion. Für etwa fünf lange Sekunde war ich zu überwältigt um überhaupt etwas zu entgegnen. Dann jedoch antwortete ich ganz cool: "Aber klar hab ich Feuer Baby, ich hoffe du hast einen Feuerlöscher dabei, denn das ist wirklich eine ganze Menge Feuer... alles klar?"

 

Etwas irritiert sah sie mich an: "Ein Zündholz würde schon genügen - nur für die Zigarette hier." Ok, wenn ich ihr jetzt die Kippe anzündete, dann würde sie verschwinden und ich würde sie niemehr wieder sehen. Irgendwie musste ich Zeit gewinnen. "Ja klar habe ich ein Zündholz, aber nur ohne Schwefel am Kopf. Wenn du willst können wir zusammen in ein Schwefelbergwerk hier in der Nähe gehen, was sagst du dazu?" Sie seufzte kurz und sagte dann: "Ok, du bist nicht besonders gut im Anmachen. Aber ich gebe zu, meine Eröffnung war auch nicht so originell, also warum überspringen wir das Gelaber nicht, fahren zu mir und scheuern die Matratze durch?" Eh? Alles klar, das war sehr direkt. So cool wie möglich antwortete ich: "Wenn du willst..."

 

Der nächste Morgen. Ich lag eingerollt in einem Tigerfell auf einem ca. 25 m² grossen Bett. Neben mir, in eine Elefantenhaut gewickelt, lag die mysteriöse Fremde. Die wilde Nacht hatte ihr Make-up nicht einmal angekratzt und auch wenn man ausser ihrem Kopf momentan nichts sehen konnte, so war sie immer noch wunderschön. Ich beschloß sie mit einem Kuss auf die Stirn zu wecken. Unglücklicherweise bewegte sie sich gerade in diesem Moment ruckartig im Schlaf, so dass mir der Elefantenrüssel um den Hals gewickelt wurde und ich fast erstickte.

 

Von meinen Röchellauten in ihrem Schlummer gestört, wachte meine nächtliche Bekanntschaft jedoch zum Glück auf. Ich schrie sie an: "Du hättest mich fast umgebracht!" Lächelnd entgegnete sie: "Das Kompliment kann ich zurückgeben, du Hengst. Letzte Nacht hast du mir fast.." Es klingelte an der Tür. Ihre Augen weiteten sich panisch und ihre Stimme war mindestens zwei Oktaven höher als normal als sie den Horrorsatz sagte: "Ohgott, das ist mein Mann. Schnell, versteck dich!"

 

Wie von Furien gehetzt entledigte ich mich des Tigerfells. Im Nachhinein glaube ich, dass ich in diesem Moment ausgesehen habe wie ein schlüpfender Schmetterling, der zum ersten Mal seinen Concon zerbricht und anmutig in die Lüfte steigt. Splitterfasernackt stand ich nun vor dem Bett und suchte hektisch ein Versteck. Es gab: 1 Bett, 1 Schrank, 1 Falltür und 1 Kronleuchter. Unfähig die Verdeckungsgüte der einzelnen Objekte so schnell zu berechnen, entschied ich mich für den Kronleuchter. Mit einem Satz sprang ich nach oben und kletterte hinauf.

 

Keine Sekunde zu früh, denn schon wurde die Tür aufgebrochen und zwei GSG9 Beamte stürmten mit entsicherten Maschinenpistolen den Raum: "FREEZE, MOTHERFUCKER!!" brüllte der eine, und der andere: "HÄNDE HOCH, WAFFE FALLEN LASSEN!" Die Frau sank auf den Erdboden und blieb wimmernd liegen. Beide Männer hatten ihre Waffen auf sie gerichtet. "Endlich haben wir dich, Carmen Flinkfinger. Wo sind die Kronjuwelen, los sag es!" Doch Carmen stotterte nur zusammenhangloses Zeug und wand sich wie ein Wurm auf der Erde hinundher.

 

Plötzlich ertönte ein Schrei, so urig und männlich, dass selbst Tarzan neidisch gewesen wäre. "WAAAAARGH. Ich WUSSTE es, du SCHLAMPE!!" Herein kam ein Mann mit einer Axt. Aha - das musste Mister Flinkfinger sein. "Du treibst es hier mit zwei Männern in Uniformen während ich weg bin??!?! Ich mach euch alle kalt!!" Mit diesen Worten hob er die Axt und drosch damit auf den nächststeheden Beamten ein. Dieser bekam das stumpfe Ende der Axt gegen seinen Helm und brach sofort bewusstlos zusammen. Der zweite jedoch reagierte blitzartig und schoss dem Angreifer ins Bein.

 

Herr und Frau Flinkfinger wurden abgeführt, der verletzte Kollege von einem Krankenwagen abgeholt. Ich jedoch hing noch ganze fünf Stunden lang nackt am Kronleuchter, ohne dass mich jemand bemerkt hätte. Als ich endlich herunterkletterte, meine Sachen zusammensammelte und dann noch die Kronjuwelen einsteckte, die auf dem Nachttisch lagen, da dachte ich nur: "Mannomann... hätte nicht gedacht, dass es wirklich Leute gibt, die ein Tigerfell im Bett haben."

22.1.08 23:59
 


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