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Think different - be a horse







Wünsch' dir was

Neumond. Es war eine kalte Nacht mitten im Hochsommer. Man sagt, spezielle Dinge würden in solchen Nächten passieren. Ich träumte schwer.

 

Der dritte Weltkrieg fand etwa 50 Jahre später statt als erwartet. Groß angelegte Bombarierung löschten etwa 85% der Menschheit aus. Die Überlebenden kämpften weiter. Anscheinend war die Zeit des Kompromisses und der Toleranz endgültig vorbei. Nur eine einzige Nation konnte überleben und ein neues Zeitalter einläuten.

 

Am Ende waren die Spanier die Sieger. Von allen unterschätzt waren nur ihre größten Städte bombabiert worden. Es überlebten genügend von ihnen um eine äußerst effektive Bodentaktik zu praktizieren. Die Gentechnik hatte große Fortschritte gemacht und man konnte die DNA von Tieren gezielt so verändern, dass innerhalb weniger Generation die Körpergröße fast beliebig beeinflusst werden konnte. Zwar war diese Technologie weltweit verfügbar und wurde auch von anderen Nationen zu Kriegszwecken gebraucht; doch meist beschränkten sich die Anwendungsfälle auf vergrößerte Kampfhunde, die zwar Furcht erregende Gegner waren, aber für einen Trupp von mehreren Männern trotzdem keine Gefahr darstellten.

 

Die Spanier setzen auf Ameisen und benutzen diese als Reittiere. Bekanntermaßen kann eine Ameise mehr als das 10-fache ihres eigenen Körpergewichtes tragen. Dadurch konnte man auf ihren Rücken neben Sätteln auch praktisch so ziemlich jede Waffe montieren, die man sich vorstellen kann. Außerdem: Wer von einer 1,5 cm großen Ameise gebissen wird, hat eine kleine sehr schmerzhafte Hautentzündung durch das Gift. Wer von einer kleinwagengroßen Ameise mit Gift vollgespritzt wird, hat noch ungefähr 4 Sekunden lang Haut am Körper.

 

Eine brennende Welt, in der kleine Spanier mit Sombreros auf riesigen Ameisen ritten und den Tod brachten. Mit einem metallischen Geschmack erwachte ich.

 

Eine etwa Handteller große Fee schwebte über meinem Bett.

 

Fee: "Hallo."

PiA: "Hi."

Fee: "Du hast einen Wunsch frei."

PiA: "Woot!"

Fee: "Bevor du jedoch unüberlegt los wünschst, lass mich dir kurz einen Crashkurs im richtigen Wünschen geben. Von essentieller Bedeutung ist das WWW."

PiA: "Ach, das wird online abgewickelt oder was?"

Fee: "Was, Wie, Wann. Wenn du einen dieser Parameter nicht oder ungenau spezifizierst, dann wählt der Wunsch und du hast keinen Einfluß darauf. Beispiel: Wenn du dir wünschst 'Ich will reich sein', dann kann es sein, dass du in 10 Jahren in Usbekistan im Lotto gewinnst. Es ist nur garantiert, dass der Wunsch vor Ende deines Lebens erfüllt sein wird."

 

Zum ersten Mal seit die Fee erschienen war, nahm ich mir einen Moment Zeit sie genauer zu betrachten. Sie war halb durchsichtig und aufreizend angezogen. Ihr ahornbraunes Haar fiel in gelockten Wellen bis zur Taille. Wäre sie etwas größer, materieller und vor allem ohne diese scheiß Flügel, dann würde ich meinen Wunsch auf der Stelle benutzen um sie flachzulegen.

 

PiA: "Ahja, verstehe. Wie ist ein Wunsch definiert? Also kann ich mir auch Reichtum UND Macht wünschen?"

Fee: "Nein, nur eine einzige Sache. Und wie gesagt, Dinge wie Reichtum und Macht sind schlechte Wünsche. Besser ist sich zu wünschen, Millionär oder Bundeskanzler zu werden."

PiA: "Wenn ich mir wünschen würde, Bundeskanzler zu werden, wäre ich das dann sofort?"

Fee: "Das kommt darauf an, wie dein Wunsch genau formuliert ist. Wenn du keine Zeitangabe machst, dann wählt wie gesagt der Wunsch. Ein Wunsch kann aber auch ungültig sein. Du kannst zum Beispiel nicht die Vergangenheit verändern, sondern nur die Zukunft."

PiA: "Ja wie, das ist ja total unseriös. Man kann sich also nur Dinge wünschen, die auch real passieren könnten?"

Fee: "Nein, aber bestimmte Regeln der Welt müssen beachtet werden. Wenn du dir wünschst, dass du in 10 Sekunden Bundeskanzler wirst, dann könnte das verheerende Seiteneffekte haben. Zum Beispiel könnte ein Virus freigesetzt werden, dass alle Menschen tötet, die geeignetere Kandidaten als du wären."

PiA: "Uh, das ist ja hart. Also sollte man sich besser keine zu übertriebenen Sachen wünschen?"

Fee: "Du kannst dir wünschen was du willst, aber bedenke: Ein Wunsch besteht aus einem Satz; wenn dieser Satz die Welt verändern soll, dann wirst du höchstwahrscheinlich nicht genug Information darin unterbringen können, um alles so zu bekommen wie du es dir denkst. Allgemein gilt: Der Wunsch erfüllt immer das was du sagst, aber nicht zwangsläufig so wie du es dir denkst."

PiA: "Kann ich Naturgesetze aushebeln?"

Fee: "Die Frage ist schwierig zu beantworten, aber theoretisch ja. Du kannst dir zum Beispiel wünschen, dass es keine Schwerkraft mehr auf der Erde gibt. Falls die Menschheit das überlebt, dann würden Wissenschaftler wahrscheinlich irgendwann dafür eine Erklärung finden."

PiA: "Kann ich mir auch übernatürliche Fähigkeiten wünschen?"

Fee: "Ja, aber auch hier sollte man die Seiteneffekte bedenken. Wenn du zum Beispiel wünschst, aus eigener Kraft fliegen zu können und du benutzt die Fähigkeit in der Öffentlichkeit, dann wird man dich höchstwahrscheinlich einsperren und allen Tests der Welt unterziehen."

PiA: "Du hast gesagt ich kann mir nur eine Sache wünschen; aber wie genau ist das definiert? Also ich kann nicht sagen, dass ich reich und berühmt sein will, aber wenn ich mir wünsche, dass ich reich werde durch einen unglaublichen Song, den ich schreibe, dann geht das ja wohl?"

Fee: "Ja, richtig."

PiA: "Also ein Wunsch kann auch ungültig sein?"

Fee: "Ja, klassisches Beispiel: 'Ich wünsche mir unendlich viele Wünsche'. Das ist natürlich Quatsch. In einem solchen Fall sage ich dir Bescheid und der Wunsch wird nicht verbraucht. Du darfst dann einen neuen Wunsch formulieren."

PiA: "Gut, ich denke ich bin dann soweit."

Fee: "Dann sage den Code 'Omega11' und dein nächster Satz sollte mit 'Ich wünsche mir' beginnen. Ich werde den Wunsch dann verifizieren und aktivieren."

PiA: "Ein siebenstelliges Passwort ist aber nicht sehr sicher für so eine wichtige Anwendung."

Fee: "Bist du dann soweit?"

PiA: "Omega11. Ich wünsche mir, dass ich mit allen elektronischen Geräten, die ich mir jemals in Zukunft kaufen werden, immer und überall auf das Internet zugreifen kann und zwar mit mindestens 10 Gbit/s."

Fee: "Viele elektronische Geräte können aufgrund ihrer physikalischen Beschaffenheit keine Verbindung mit dem Internet herstellen."

PiA: "Ach? Deswegen wünsche ich es mir ja, weil es normalerweise nicht geht."

Fee: "Der Wunsch ist nicht genau spezifiziert; wenn du es möchtest, werde ich ihn dennoch ausführen. Dies ist allerdings die letzte Warnung."

PiA: "Ja ne komm, dann nehme ich doch was anderes."

Fee: "Ich höre."

PiA: "Omega11. Ich wünsche mir, dass ich in den nächsten Jahren als Wissenschaftler berühmt werde, indem ich ein Mittel zur Genveränderung entwickele, welches es ermöglicht das Wachstum von Tieren beliebig zu steuern."

Fee: "So sei es."

14.5.11 23:36


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