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Think different - be a horse







Nacht der Raupen

Es ist ein ganz spezielles Gefühl wenn man eine Nacht lang nicht geschlafen hat, wachgeblieben ist. Natürlicher Erwartung zum Trotze überraschen einen die ersten vorsichtigen Sonnenstrahlen doch jedes Mal. Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Sieg. Man hat die Nacht bezwungen.


...


Eine Milliarde Schmetterlinge zerbrachen ihre Kokons mit einem einzigen, kräftigen Flügelschlag. Fast perfekt synchron stiegen sie auf in den Himmel, ihre Flügel eine samtweiche Melodie summend. Immer höher trugen ihre gepunkteten Schwingen sie, ohne zu Zögern in die Wolken. Nur wenige Augenblicke lang währte das Wunder, dann zeugte nur noch der feine Nebel aus Schmetterlingsstaub von ihrer Existenz.


Der Regisseur dieses Schauspiels stand noch lange da und blickte in den Himmel. Auch als der Nebel sich längst gelegt und jedes noch verbleibende Staubkorn sich auf den Boden der abgefahrenen Straßen gesenkt und mit dem gewöhnlichen Straßendreck vermengt hatte, harrte der Schöpfer des Spektakels an der gleichen Stelle aus. Er genoß die Ruhe nach dem großen Ereignis wie den Nachgeschmack eines sündhaft teuren Weines.


Ein zufälliger Beobachter hätte es wohl für ein einmaliges Naturschauspiel halten können. Und hätte man diesem Beobachter gesagt, dass nicht die Natur, sondern ein Mensch mit Jahren akribischer Planung das eben gesehene Kunststück inszenierte, so wäre jener Beobachter vielleicht partiell enttäuscht nach Hause gegangen. Weil er es nicht verstanden hätte.


Vom logistischen Aufwand abgesehen war die größte Leistung die Synchronisation der Metamorphose. Nur spezielles Futter in bestimmter Dosierung konnte eine Raupe dazu bringen, sich treu zu sein bis die Zeit gekommen war. Aber es war möglich, er hatte es bewiesen!


Eigentlich... wenn man genau darüber nachdenkt... es könnte auch mit Menschen funktionieren...
15.9.12 07:38


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